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Freunde fürs Leben

Sie knuddeln und sie zoffen sich. Teilen ihre schönsten Stunden und suchen in den traurigsten Trost beieinander. Sprechen über intimste Geheimnisse, verborgenste Träume und ihre größten Sorgen. Warum es ein Glück ist, Freunde zu haben.

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Freundschaft ist die wahrscheinlich wichtigste Nebensache der Welt. Dabei kommt sie so bescheiden und unaufdringlich daher, dass wir sie manchmal gar nicht auf den ersten Blick bemerken. Denn Freundschaft braucht keine Schmetterlinge im Bauch und keine Liebeslieder. Sie bringt uns nicht von einer Minute auf die andere um den Verstand, sondern schleicht sich auf sanften Pfoten in unser Leben. Bis wir sie nicht mehr missen möchten. Die Freundschaft nötigt uns nicht, uns zu verstellen. Ihr ist es egal, ob wir attraktiv sind oder durchschnittlich aussehen. Ob wir uns Designer-Kleider leisten können oder im Second-Hand-Shop einkaufen. Wer das Glück hat, der Freundschaft zu begegnen, erfährt Zuneigung, weil er so ist, wie er ist.

Schon von Kindesbeinen an hat die Freundschaft deshalb einen hohen Stellenwert im Leben. Bereits für kleine Kinder sind Freunde mit die wichtigsten Bezugspersonen - sie kommen gleich nach den Eltern – und werden häufig als noch wertvoller eingeschätzt als die Geschwister. Entwicklungspsychologen betonen den Nutzen der Freundschaft bei der Ausbildung sozialkognitiver Fähigkeiten. Mit anderen Worten: Früh übt sich, wie man fair miteinander umgeht, Konflikte löst, teamfähig wird oder eine harmonische Beziehung führt.

Freunde - unersetztbar im Jugendalter

Unter Jugendlichen wird die Freundschaft als eine auf Dauer angelegte Beziehung begriffen, die es beiden Seiten gleichermaßen ermöglicht, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Interessen einzubringen und auszuleben. Konflikte werden ausgetragen und Kompromisse gesucht. Während sich Mädchen zu Frauen und Jungs zu Männern entwickeln, reift auch die Einsicht, dass jeder selbst am Erhalt dieser einen besten Freundschaft mitwirken muss. Schließlich ist sie etwas ganz Besonderes.

Dass Freundschaftsbande entstehen, ist aber nicht nur einer ersten Sympathie und fortlaufender Bemühungen von beiden Seiten zu verdanken. Auch Vorgänge im Körper steuern, dass wir uns erfolgreich und dauerhaft mit Menschen verbandeln können, deren Nähe wir als wertvoll empfinden. Wer eine Freunschaft schließt, darf sich über eine vermehrte Ausschüttung des beziehungsfördernden Hormons Oxytocin freuen. Dieses wirkt beruhigend auf die „Alarmzentrale“ unseres Gehirns, die sogenannte Amygdala. Das Kuschelhormon bewirkt dadurch, dass bei der Begegnung mit dem neuen Freund oder der neuen Freundin weniger Stresshormone ausgeschüttet werden.

Ob Freundschaften deswegen ewig halten müssen, sei mal dahingestellt. Aber zumindest nehmen sie an Bedeutung zu in einer Gesellschaft, in der Flexibilität im Berufsleben mehrmals zum Wechsel des Wohnortes zwingt, jede dritte Ehe geschieden wird und alte Menschen nicht mehr selbstverständlich von ihren Familien gepflegt werden. So kann die Fähigkeit, sich auf neue Freunde einzulassen, zu einer ebenso wichtigen Quelle für Zufriedenheit im Alltag werden wie das Festhalten an einer Beziehung vom Sandkasten bis ins hohe Alter.

Beste Freundinnen - reden, drücken, trösten

Vor allem Frauen sind offenbar Expertinnen in Sachen Beziehungspflege. Wenn sie sich miteinander anfreunden, steht das Gespräch ganz im Mittelpunkt. Natürlich gehen sie auch mal gemeinsam einen Kaffee trinken, treffen sich in der Krabbelgruppe oder verabreden sich zum Saunabesuch. Aber ihnen kommt es dabei weniger auf die gemeinsame Aktivität an als vielmehr auf den Austausch der Dinge, die sie momentan bewegen. Nicht selten besprechen sie Beziehungsprobleme erst mal mit der besten Freundin, bevor sie zu Hause ein Fass aufmachen.

Männer unter sich - Spaß haben statt reden

Ganz anders bei Männerfreundschaften. Hier ist die gemeinsame Unternehmung der zentrale Beziehungsträger. Beste Freunde treffen sich zum Sport oder zum Biertrinken, schauen miteinander Fußball oder Formel 1, fahren übers Wochenende zum Angeln oder zum Zelten. Sie können stundenlang über ihre Hobbys reden oder über Politik fachsimpeln, Karrierepläne miteinander besprechen oder neue gemeinsame Unternehmungen planen. Aber Gespräche über sich selbst spielen bei weitem nicht so eine zentrale Rolle wie etwa in der Frauenfreundschaft. Weniger intensiv ist deshalb die Beziehung unter besten Freunden nicht. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und erleben dies als bereichernd. Das Gefühl, gemeinsam etwas erlebt zu haben, das gleiche Ziel zu verfolgen oder sich beim Sport zusammen auszupowern, schweißt zusammen und schafft Gemeinsamkeiten, auf deren Basis eine lang anhaltende Freundschaft fußt.

Ob Frauen- oder Männerfreundschaften – bis ins hohe Alter kann der emotionale Halt dieser wertvollen Beziehung uns den Rücken stärken und uns gesund erhalten.

Senioren - vom Freund zum Ersatzpartner

Für Senioren haben Freundschaften auch deshalb einen wichtigen Sinn, weil häufig der Partner oder die Partnerin bereits verstorben ist. Das Alleinsein fällt schwer. In die Lücke springen Freunde, die sich nicht nur bereitwillig zu einem geselligen Spieleabend einladen lassen, sondern gewiss auch für ein tägliches kurzes Telefonat zu haben sind. "Und, geht’s dir gut?" Es ist schön zu wissen, dass sich jemand um einen sorgt, wenn der Partner nicht mehr da ist und man die Kinder nicht beanspruchen möchte, die mit ihrer Familie und der Karriere ausgelastet sind.

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